Chronik des Donaugau-Trachtenverbandes

Mit heute 31 angeschlossenen Vereinen kann der Donaugau auf eine langjährige und interessante Geschichte zurückblicken. Geographisch befindet sich der Donaugau im Mittelpunkt Bayerns (Kipfenberg) und erstreckt sich im Süden von Pfaffenhofen/Ilm (Holledau) bis Berching im Norden und von Thierhaupten im Westen bis Kelheim und Saal im Osten. Dieses Gebiet betrifft die fünf Regierungsbezirke Oberbayern, Niederbayern, Oberpfalz, Mittelfranken und Schwaben. Sitz des Donaugaues ist Ingolstadt – wegen ihrer Festungsbauten auch als „Schanz“ bekannt. Den nördlichen Abschluss des Gaugebietes bildet der Fränkische Jura. Burgen und Schlösser geben Zeugnis von den Bischofs- und Herrensitzen, wie der Willibaldsburg in Eichstätt und Schloss Hirschberg in Beilngries. In Kelheim, wo die Altmühl in die Donau mündet, steht die Befreiungshalle. Entlang der früheren Handelsstraßen erinnern zahlreiche Burgruinen an die Raubritterzeit. Im Süden bilden den Abschluss des Donaugaues das Paartal und die Holledau, wobei das Kloster Hohenwart mit der Fahnenstickerei zu erwähnen ist. Früher kamen aus allen Gegenden Bayerns Hopfenzupfer in die Holledau und viele heitere Geschichten sind als lustige Lieder und Schnaderhüpferl bis heute den Nachfahren erhalten geblieben.

Gegründet wurden die ersten Vereine im Donaugau als Gebirgstrachtenvereine. Die Trachtenvereine um Donau, Altmühl, Ilm und Paar gehörten bis Oktober 1924 als Bezirksvereinigung dem Isargau an. Nach ersten Besprechungen im Herbst 1924 wurde aus dieser Bezirksvereinigung:

Am 3.5.1925 der „Donaugau – Bayerischer Gebirgs- und Volkstrachtenvereine“ mit Sitz in Ingolstadt ins Leben gerufen.
Die Gründungsvereine waren:

Almrausch Ringsee
Almrausch-Edelweiß Kelheim
Altmühler Eichstätt
Birkalaub Ludwigsmoos
D’Traunstoana Ingolstadt
Donautaler Neuburg
Dö’Birkastoana Grasheim
Dö lustign Paartaler Schrobenhausen
D’Altmühltaler Kipfenberg
D’Ilmtaler Münchsmünster
Edelweiß Reising-Thaldorf
Schwanstoaner Pöttmes
Schloßbergler Reichertshofen
Sulztaler Berching

Zu dieser Zeit wurden viele Vereine gegründet und auch viele Vereine wieder aufgelöst. Kirchliche und weltliche Feste waren von nun an für die Trachtler Anlass, das Brauchtum zu erhalten.

Ab dem Zeitpunkt der Gründung wurden zwei Versammlungen im Jahr abgehalten, wobei es meist zur Neuwahl des Gauausschusses kam. Während der Kriegszeiten hatten es die Trachtler schwer, ihren Zielen nachzugehen. Es fehlte das Geld und nur der Idealismus blieb über das 3. Reich hinaus erhalten. Fast nirgends fanden in diesen schweren Zeiten Versammlungen statt. Doch 1946 wurde bereits wieder die erste Nachkriegs-Gauversammlung abgehalten. Viele von den Jungen waren gefallen oder vermisst. Mit vereinter Kraft wollte man die Heimat und das Brauchtum aus den Wirren der Trümmerzeit retten. Bis 1950 schlossen sich neben den im Jahre 1945 verbliebenen 12 Vereinen noch weitere 9 Vereine dem Donaugau an. Dem damaligen Gauvorstand Franz Hauser ist die Anschaffung einer Gaufahne zu verdanken. Diese Gaufahne wurde 1952 in Pfaffenhofen a.d. Ilm geweiht.

Man besann sich wieder auf die Erhaltung der bodenständigen Volkstrachten, die vielerorts noch vorhanden waren. Diese wurden originalgetreu nachgeschneidert und somit den nachfolgenden Generationen erhalten. Heute kann der Donaugau auf 12 reine Volkstrachtenvereine, 15 Vereine mit Volks- und Gebirgstracht und 5 reine Gebirgstrachtenvereine stolz sein. So unterschiedlich wie die Landschaften in unserem Gaugebiet, so unterschiedlich sind auch die Volkstrachten. In evangelischen Gebieten (Treuchtlingen) werden einfache und sehr dunkle Trachten getragen, während die Kurpfälzer Tracht in Grasheim sowie die Bürgertracht in Kelheim bunt gehalten sind.

Auch die Lieder und Tänze aus den einzelnen Gegenden sind sehr unter schiedlich. 1963 wurde der erste öffentliche Volkstanz unter Wendl Senner in Ingolstadt durchgeführt. Die Vielfalt der Trachten wirkt sich oft auch auf die Volkstänze aus. Es ist der Stolz eines Vereins, die Eigenart eines Tanzes zu erhalten.

Bereits 1926 fand das erste Preisplattln in Eichstätt statt. Seit 1966 wird das Wertungsplattln in der heutigen Form mit festgeschriebenen Richtlinien abgehalten. Ein begehrtes Ziel von Kinder-, Jugend- und Aktivgruppen ist es, den jeweiligen Wanderpokal zu holen. Dieser Pokal muss drei Jahre in Folge errungen werden, um im Besitz der Gruppe zu bleiben.

Hans Strobl bemühte sich sehr um das Lied und die Musik. Er rief das „Gau-Volksliedersingen und Musizieren“ ins Leben. Diese Veranstaltung hat inzwischen große Beliebtheit erlangt und ist von den traditionellen Gauveranstaltungen nicht mehr wegzudenken.

Jedes Jahr im Mai pilgern die Trachtler des Donaugaues in Eichstätt den Frauenberg hinauf, um an der Kapelle gemeinsam die heilige Messe zu feiern. Nach der Wallfahrt trifft man sich am Ehrenmal, um der verstorbenen Trachtenkameraden/innen des letzten Jahres zu gedenken.

Bei Feierlichkeiten wie zum Beispiel der Schlussfeier der Olympischen Spiele in München (1972), dem Jahrhundertfest in München (1983), der Trachtenwallfahrt nach Altötting (1989), der Abschlussveranstaltung des deutschen Turnfestes in München (1998) und dem 150. Geburtstag von Lehrer Josef Vogl in Emmering (1998) konnte sich der Donaugau mit zahlreichen Trachtlern und den Gaugruppen Schuhplattler und Volkstanz beteiligen.

Ein weiteres großes Ereignis war für den Donaugau 1990. Anlässlich des 65-jährigen Bestehens konnte eine neue Gaufahne in Manching geweiht werden. Die Patenschaft wurde vom Oberlandler Gauverband mit Sitz in Miesbach übernommen.

Nachdem im 75. Jahr der Verbandsgründung kein Verein bereit war das Gaufest zu übernehmen, entschloss sich der Gauausschuss diese Veranstaltung selbst durchzuführen. Am 24. und 25. Juni 2000 wurde das Gaufest am Sitz des Verbandes in Ingolstadt abgehalten. Durch die Zusammenarbeit von Gauausschuss und den Gauvereinen gelang es, dieses Gründungsjubiläum mit einem großen Trachtenfest zu feiern.

Bei der Jahresversammlung im gleichen Jahr wurde das Gründungsjahr des Donaugau-Trachtenverbandes Sitz Ingolstadt e.V. einstimmig auf das Jahr 1925 festgelegt. In diesem Sinne und mit unserem Leitspruch „Sitt und Tracht der Alten wollen wir erhalten“ werden wir unser Wirken auch in Zukunft gemeinsam mit unserer Trachtenjugend fortsetzen, das Brauchtum beleben, ohne sinnvollem Neuen verschlossen zu sein.