21. März 2021 · Kommentare deaktiviert für Palmsonntag · Kategorien: Brauchtum, Donaugau

Mit dem Palmsonntag beginnt die Osterwoche. An dem Tag wird dem Einzug Jesus auf einem Esel in Jerusalem gedacht. Er ist der sechste Fastensonntag und leitet die Karwoche ein.

Für diesen Tag werden zum Andenken an die Bibelgeschichte „Einzug von Jesus in Jerusalem“ Palmbuschen oder Palmbüschel gebunden und dann am Sonntag mit in die Kirche genommen, um sie dort vom Pfarrer weihen zu lassen.

Als Jesus in Jerusalem einritt, legten die Menschen Palmzweige auf den Weg.
Die Straßen damals waren noch nicht gepflastert, sie waren staubig und dreckig.
Die Menschen wollten jedoch, dass Jesus sauber und rein in die Stadt kam, deshalb
legten sie die Palmzweige auf die Straße.

Bei uns wachsen in der Natur keine Palmen, jedoch andere immergrüne Pflanzen. Diese werden gesammelt und zum Büschel oder Buschen gebunden.
Es kann Buchs, Thuja, Seidelbast, Fichte, Salweide, Haselstrauch, Tanne, Wacholder (schützt vor Krankheit) oder Weide sein. Diese immergrünen Zweiglein  sollen das Immerwährende, das Leben symbolisieren, denn Jesus Christus ist immer bei uns, allüberall. Er wird immer bestehen.

Weiden-/Palmkätzchen und Haselnussblüten (-würstl) symbolisieren die Auferstehung und das sich neu entfaltende Leben.
Hinein gehört auf jeden Fall, wenn vorhanden auch dürres Eichenlaub, (wenn nicht zu finden, auch anderes dürres Laub) es steht als Zeichen des Vergänglichen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Grünzeug: Buchs, Tanne, Fichte, Thuja…

 

                                                                                                                                                                                                                                      Weidenkätzchen, Haselnuss, dürres Laub

 

Aus Krepppapier werden rote Röschen gefertigt, die ebenfalls mit in das Büschel  gebunden werden. Das Rote soll das Blut Christi darstellen. Einige Regionen stecken auch ausgeblasene, rot bemalte und auf Äste oder Schaschlikstäbchen gesetzte/geklebte Eier hinein.

Im südlichen Bayern werden bunt eingefärbte Hobelspäne und bunte Bänder an die Zweiglein gebunden. Sie sollen von der Freude der kommenden Auferstehung zeugen.

Die fertigen Palmbuschen/-büscherl werden mit einer Schleife versehen und mancherorts auf große Stecken gebunden. Die Stecken sollen die Königswürde, den Zepter, symbolisieren.

Im Dom zu Eichstätt werden die Palmbuschen auf Stecken bis zu 3-5 m gesetzt und von den Ministanten zum Gottesdienst getragen.

 

Palmbüschel auf dem Jura

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 

 
 
 
 

 
 

Palmbrezeln

In manchen Gegenden z. B. Schwaben bäckt man zum Palmsonntag Palmbrezeln.
Diese werden überwiegend aus Hefeteig hergestellt. Man kann sie jedoch auch als Zuckerbrezeln mit Blätterteig herstellen oder auch mit Anis würzen.

Die Palmbrezeln gibt es schon zum Frühstück oder zum Nachmittagskaffee. Früher schenkten die Burschen ihren Mädchen eine Palmbrezel als Liebeszeichen und die Kinder bekamen von ihrem Paten eine Brezel geschenkt.

 

                                                  Palmbrezeln

 

 

Palmesel

Andern Orts gibt es auch den Brauch des Palmeselreitens. (wird wieder immer beliebter) Entweder werden zur Palmprozession echte Esel dazu geholt, auf denen meist ein Messdiener/Ministrant reitet oder wie es früher üblich war, hölzerne Esel auf Rädern oder Wagen gezogen und so in der Prozession mitgeführt. Die hölzernen Esel gibt es kaum mehr, sie wurden von der Kirche teilweise verboten, weil nach dem Gottesdienst mit diesen Holzeseln Unsinn getrieben wurde, und das Ganze volksfestartige  Auswüchse annahm.

 

Ganz bekannt ist natürlich der “2-füßige Palmesel”. Derjenige, der am Palmsonntag als letzter aus dem Bett kommt/aufsteht, muss sich als “Palmesel” beschimpfen lassen.

 

Bräuche 

Mit den Palmkätzchen und den Palmbuschen ist so mancher Volksglaube verbunden.

Mancherorts trägt man den „Palmbuschen“ nach der Weihe dreimal ums Haus, um – so der Volksglaube – Schutz vor Blitz, Feuer, Krankheit und Unglück zu erbitten.

Gesegnete Palmzweige werden auch  in den Acker gesteckt, damit man eine gute Ernte erzielt. Einzelne Zweige der Palmkätzchen werden an das Vieh verfüttert, um auch für sie den Segen für das kommende Jahr zu erbitten.

 

Palmesel-Legende

 von Hanns Vogel

 

Vorm Einzug in Jerusalem

da hat der Herr de Weisung gebn,

weil er net mechat z` Fuaß okemma,

ma soll an Esel z`leiha nehma.

Zwoa Jünger ham aa glei oan gfundn,

im nächsten Dorf, an Baam hibundn.

Do der hat gschlafa wia verreckt

und alle viere wegastreckt.

Mit “Hüa!” und “Hopp!” so redns eahm zua,

er aber ruaßelt furt in oana Tour.

Alls hams probiert, nix hams bezweckt,

den Esel hams halt net derweckt.

Die ham eahm mit de Finger gstupft

und an de langa Wascheln zupft,

ham mitn Halm eahm d`Nasn kitzelt –

ma mecht do moana, daß dös bitzelt!

Mit Gwalt hams zogn am Schwanzl schließli,

dös macht an Esel selm verdrießl:

“I-aa! Gähnt er, duat d`Augn aufschlagn.

“Was is?” hört man verwundert fragn.

De drauf: “Kumm, schick di, Herrschaftseiten!

Der Herr braucht di ganz gschwind zum Reitn.

Alloanigs bist du auserwählt,

koa größre Ehr gibt`s auf der Welt!”

“I-aa!” sagt der, “was fallt enk ei?

Muaß dös akrat am Sunnta sei?

Dös is mei heilger Ruhetag,

wo I erst recht nix arwan mag!”

So mault er furt und schreit “I-aa!”.

Da steht der Herr auf oamal da.

Der streicht eahm zartli übern Kopf

und lacht: “Du bist aso a Tropf!

Enk Gschöpfa muaß zum Glück ma zwinga,

de bockad Seel zur Gnad hibringa!

Der Esel woaß net, wia eahm gschiecht:

Scho steht er da und hat si gricht.

Laut “Hosianna!” schrein de Leut,

wia jetz der Herr drobn auf eahm reit.

Dös aber muaß ma wikli sagn,

ganz lamperfromm hat er eahm tragn.

Bloß oamal war er so vermessen

und hat an Herrn sein Palmzweig gfressen.

Da hat der Herr an Finger ghobn,

hat eahm ins Ohr neigsagt vo drobn:

“De Biblisch Gschicht werd vo dir schreibn,

der Palmesel werst ewi blein!”

 

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